Rezension: Einführung in die Rechtsphilosophie und Rechtstheorie der Gegenwart (Hassemer/Neumann/Saliger)

Das Werk versammelt Beiträge unter Beteiligung mehrerer Autorinnen und Autoren, die zentrale Themen der Rechtsphilosophie und Rechtstheorie der Gegenwart behandeln – von klassischen Fragen wie dem Verhältnis von Recht und Moral über Rechtsbegriffs- und Argumentationstheorie bis hin zu neueren Problemfeldern wie Bioethik.

Die 9. Auflage berücksichtigt dabei die Entwicklungen der letzten zehn Jahre und hat unter anderem ein Kapitel zur juristischen Argumentation sowie zum Verhältnis von Recht und Moral ergänzt.
Strukturell ist das Buch so angelegt, dass es sowohl Studierenden als auch wissenschaftlich interessierten Juristinnen und Juristen eine systematische Einführung bietet: Zunächst werden Grundbegriffe und klassische Positionen vorgestellt, danach folgt eine Behandlung aktuellerer Debatten (z. B. Gerechtigkeit, Legitimität, Rechtspluralismus) und schließlich eine Reihe von Anwendungsfeldern.

Für Jurastudierende besonders lohnend sind folgende Aspekte:

• Rechtsbegriffs- und Rechtstheoriediskussion: Das Buch bietet eine gute Darstellung, wie Recht verstanden werden kann (z. B. positivistisch vs. naturrechtlich, formal vs. materiell) – was wichtig ist, um Dogmatik und Methodik nicht unreflektiert hinzunehmen.

• Verhältnis von Recht und Moral: Dieses Thema wird prominent behandelt. Die Frage, ob und inwieweit moralische Maßstäbe im Recht wirksam sind oder sein sollten, ist zentral für eine kritische Juristenausbildung.

• Argumentation im Recht: Das neue Kapitel zur juristischen Argumentation stärkt das Bewusstsein dafür, dass juristische Entscheidungen nicht nur Subsumtion sind, sondern auch normative Begründungsdimensionen haben – das erleichtert die Verbindung von Dogmatik und Theorie.

• Anwendungsnähe: Zwar ist es ein theorieorientiertes Werk, doch durch die Behandlung von Bioethik und Technikrecht wird deutlich, wie rechtsphilosophische Fragen in aktuelle Rechtsprobleme hineinwirken können – dies macht den Sprung vom abstrakten Nachdenken zur praktischen Relevanz.

Der Titel vermittelt einen breiten Überblick über das Feld der Rechtsphilosophie und Rechtstheorie und ist damit ideal für Studierende, die sich nicht auf eine Richtung festlegen, sondern verschiedene Zugänge kennenlernen wollen. Durch die Kombination von klassischen und zeitgenössischen Themen entsteht ein Spannungsfeld zwischen etablierten Positionen und aktuellen Herausforderungen, was kritisches Denken fördert.

Trotz der guten Einführung bleibt das Niveau nicht durchweg populärwissenschaftlich: Manche Kapitel setzen ein gewisses Maß an philosophischem Vorwissen voraus (z. B. Grundbegriffe der Ethik oder Metaphysik). Studierende sollten daher bereit sein, sich zusätzliche philosophische Literatur heranzuziehen.

Aufgrund der Herausgeberstruktur und der Reihe ist die Tiefe der einzelnen Beiträge unterschiedlich, einige Diskussionen bleiben eher skizzenhaft. Wer sehr spezielle rechtsphilosophische Positionen vertiefen will, benötigt ergänzende Texte.

Fazit: Für Jurastudierende, die mehr sein wollen als „nur“ Sachbearbeiter im Subsumtionsmodus, ist dieses Buch klar zu empfehlen: Es öffnet das Blickfeld über die dogmatische Oberfläche hinaus und vermittelt, wie Recht als normative Ordnung, als kulturelles Phänomen und als kritisch reflektiertes System verstanden werden kann. Gerade im Schwerpunktbereich Rechtsphilosophie/Rechtstheorie ist es eine solide Basislektüre. Wer bereit ist, sich mit etwas Philosophie im Hintergrund zu befassen, erhält hier ein hilfreiches und vielseitiges Instrumentarium. Insgesamt ergibt sich ein durchweg positives Urteil: Das Werk ist gelungen, praxisrelevant im Sinne der Anwendbarkeit auf rechtsphilosophische Fragen im Studium und bietet gleichzeitig genug Tiefe für eine ernsthafte Auseinandersetzung.

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